Historie: Ausbildung zum Druiden II – Der Barde

In Irland wurden Barden zu Hofbeamten

Wer zu einer Karriere in der Priesterkaste auserwählt war, musste  verschiedene Aufgaben und Rollen erlernen und ausüben. Der Anfang einer Karriere bestritt man als Novizen der Druidenkaste. Nach einer mindestens 20 Jahre langen Ausbildung konnte dann das Mitglied in den angesehenen Stand der Druiden erhoben werden. Aber viele in der Kaste erreichten diesen Stand nicht: Dies geschah einerseits wegen mangelnder Leistung – schließlich musste das komplette Wissen ohne Nutzung von Schrift auswendig gelernt werden – andererseits aber auch, weil der- oder diejenigen in einer anderen Rolle ihre Bestimmung fanden. Zu diesen Rollen gehörten die Barden, Vaten und Euphagen.

 

Barde mit Harfe
Musik und Lyrik waren die Hauptarbeitsmittel der Barden.

 

Barde mit Trommel
Barden waren keine einfachen Musiker sondern bekleideten einen Stand.

Was ist ein Barde?

 

Die Geschichtsschreibung ist sich uneinig, wie Barden eingeordnet werden sollen, daher variiert auch die Definition. Am besten sind die Rollen bei den Germanen Mitteleuropas und bei den keltischen Iren erforscht. Hier zeigen sich starke Unterschiede:

 

Der Barde bei den Germanen Mitteleuropas

Nachdem die Grundlagen für die Priesterschaft in der Novizenausbildung gelegt wurden,  folgte die Einführung in die Mystik. Dazu gehörte Lyrik, Gesang und Instrumente, die in der Religion der alten Kelten eine ähnliche Verbindung zu den Göttern hatte wie Rituale und Heilpflanzen. Die Herkunft des Begriffes Barde liegt dabei im Dunklen. In den verschiedenen Formen bardos, bard, bardd oder barth kommt der Begriff in verschiedenen keltischen Dialekten vor.

Der Versuch des Dudens das Wort über das französische bardo bzw. das spanische albarda (Packsattel), das wiederum vom arabischen abstammen soll, scheint eher eine verzweifelte Hilfskonstruktion. Sicher scheint nur, dass es sich um einen Dichter, Sänger und Musiker in altdeutschen Völkern handelt.

 

Welche Aufgaben hatte ein Barde bei den Germanen?

Anders als heute in vielen Fantasyrollenspielen verankert, war der Barde kein die Volksmassen unterhaltender, laxer Musiker. Das tägliche Geschäft des keltischen Barden war durchaus von Ernsthaftigkeit geprägt: Er begleitete zwar Rituale musikalisch, vor allem war aber die Sprache sein Hauptinstrument. Es waren die Barden, die das Wissen in mundgerechte Verse gossen, damit es leichter auswendig gelernt werden konnte.

Ihre Lyrik, Lieder und Gedichte beinhalteten somit das gesamte Wissen der Kultur: Geschichtliche Ereignisse, Strategien, Kräuter, Krankheiten und Sagen wurden in den Texten verarbeitet und immer wieder rezitiert. Dazu kamen altbekannte Verse und Lieder anderer Barden, sodass der Barde nicht nur den Stoff für Lehrer und Novizen lieferte, mit denen der Ausbildungsbetrieb aufrecht gehalten wurde, sondern auch sich selbst permanent schulte. Die ideale Voraussetzung, um später zu einem Druiden aufsteigen zu können.

Welche Aufgabe hatte ein Barde bei den irischen Kelten?

Die historischen Überlieferungen aus Irland schreiben den Barden eine andere Rolle in der Gesellschaft zu. Der Críth Gablach („Der gegabelte Kauf“), einer Sammlung von Rechtstexten in altirischer Sprache aus dem 8. Jahrhundert, kennt acht verschiedene Ränge von Barden.

Während die ursprüngliche religiös-rituale Rolle im Zusammenhang mit dem Druidentum vage im Dunkeln bleibt, scheint es sicher, dass die Barden sich im Laufe der Geschichte aus der Priesterkaste lösten und einen eigenen Stand bildeten. Sie wurden zu Hofbeamten, wobei sich Bardenschulen gründeten, an denen eine neunjährige Ausbildung zu einem „gelehrten Poet“ absolviert werden musste, um den Rang eines Barden zu erreichen.

 

Barde als Hofbeamter
In Irland wurden Barden zu Hofbeamten und berieten hochrangige politische Entscheider.
Poseidonios
Poseidonios von Rhodos war einer der ersten Beobachter germanischer Stämme.

 

Burg
Barden konnten für Fürsten mächtige Verbündete sein, um ihren Ruhm zu vermehren.

Waren Barden Teil der keltischen Priesterkaste?

Diese Frage war auch in Bezug auf die germanischen Völker lange umstritten, da ihre frühen Beobachter, vor allem Römer und Griechen, die Rolle nicht recht einzuordnen wussten. Der griechische Geschichtsschreiber und Universalgelehrte Poseidonios verglich die Barden mit Rhapsoniden, also zur Unterhaltung bestimmte Musiker und Unterhalter der Fürsten.

Er schloss aus der Tatsache, dass es Barden nicht erlaubt war den Göttern zu opfern, dass sie der Priesterkaste nicht zugehörig waren. Das ist nach neuster Forschung allerdings nicht richtig: Zwar traten Barden oft in Gegenwart der großen Fürsten auf und hielten sich eher in ihrer Nähe auf als bei religiösen Ritualen, aber das lag viel mehr an ihrer Rolle als Geschichtsschreiber. In dieser Charge mussten die Barden immer am Zahn der Zeit und den Entscheidungszentren der Macht zugegen sein, um auch neuste Entwicklungen festzuhalten.

Waren Barden angesehen?

Auch wenn ein Lernender der Priesterkaste sein Leben lang in der Rolle des Barden blieb, so war diese Rolle dennoch eine mächtige und angesehene. Gerade bei den weltlichen Entscheidungsträgern genossen sie hohes Ansehen, denn als Geschichtsschreiber und Lyriker hatten Barden die Interpretationsmacht über die geschehenen Ereignisse.

Ein gutes Verhältnis zu einem Barden, der die Möglichkeit hatte die Taten eines Fürsten zu Ereignissen großen Ruhmes auszuschmücken, konnte den eigenen Ruf stärken. In einigen Quellen wird Barden auch die Rolle eines Satirikers zugesprochen. Die Schmähungen galten sicher in erster Linie verfeindeten Gruppierungen und Stämmen. Das Risiko in das lyrische Fadenkreuz eines Barden zu gelangen, war aber auch für ein eigenes Stammesmitglied zumindest theoretisch präsent.

Woraus bestand der Ausbildungsabschnitt zum Barden?

Nachdem beim Novizen über mehrere Jahre eine Art Grundstudium der Priesteraufgaben absolviert wurde, lag der Schwerpunkt bei der Ausbildung zum Barden auf Sprache und Musik. Erlernt wurden Instrumente wie die Syrinx, Lyra, Hornpfeifen und diverse Flöten; in einigen Regionen auch die Harfe. Neben dem Erlernen von Geschichte, Liedern und prosaischen, wie lyrischen Texten, wurde auch das aktive Dichten gefördert. Damit die Zusammenhänge in der Politik sinnvoll in Verse gegossen werden konnte, war auch ein Verständnis von Strategie, Verwaltung und Diplomatie notwendig. Bei Eignung und Interesse konnte ein Barde bei den Germanen zu einem Opferpriester, einem Vaten oder Ovaten aufsteigen.

 

Laute als Bardeninstrument
Saiteninstrumente haben den Vorteil, dass parallel zum Spiel mündliche Botschaften verbreitet werden können.
Quellen und Literatur zur Geschichte der Barden
Barth, Christian-Carl: Über die Druiden der Kelten und die Priester der alten Teutschen; Erlangen; 1826.

Birkhan, Helmut: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur; Wien; 1997.

Eckert, Karl-Uwe: Liturgie der keltischen Kirsche mit ihren frühchristlichen Riten, Sakramenten und Sakramentalien – Band 2; Hamm; 2015.

West, Martin Litchfield: Indo-European Poetry and Myth; Oxford; 2007.

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