Fünf Gerüchte über den Fuchsbandwurm – entlarvt

Fuchs-gähnt
Fuchs-gähnt
Der Fuchs ist der Endwirt des Fuchsbandwurms. Nicht der Mensch

Wer in Wald und Flur Kräuter und Beeren sammeln geht, der trifft nicht selten auf einen Nachbarn, Freund oder Bekannten, der mit ernster und besorgter Miene vor der Gefahr des Fuchsbandwurms und dem Befall des Menschen (Echinokokkose) warnt. Tatsächlich können die Folgen für den Menschen – sollte er denn befallen werden – verheerend sein. Aber ein Blick auf Wahrscheinlichkeiten und Stand der Forschung verrät, dass das Thema Fuchsbandwurm eher emotional angegangen wird und viele Unkenrufe den Gang in den Wald ungerechtfertigt verhageln. Das muss nicht sein.

Grundlegendes über den Fuchsbandwurm

Was ist der Fuchsbandwurm?

Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) gehört zu den Bandwürmern, die durch parasitäres Verhalten die Unwägbartkeiten der Evolution überstanden haben. Das heißt sie nisten sich in einem sogenannten „Wirt“ ein und profitieren ohne eigenes Zutun von dessen Stoffwechsel.

Der Fuchsbandwurm wird bis 4,5 mm lang, hat vier Saugnäpfe am Kopf sowie Haken, um sich an Darmwänden fest zu setzen. Er hat zwei bis sechs segmentartige Körperabschnitte, wobei der letzte Körperabschnitt mit um die 50% des Gesamtkörpers den Großteil ausmacht. Hier werden Spermien und Eier produziert. Die Verbreitung erfolgt über den Kot des Endwirts, meistens Fuchskot.

 

 

 

 

Fuchsbandwurm
Der Fuchsbandwurm setzt sich mit dem Kopf an der Darmwand fest

 

Fuchsbandwurm Nordhalbkugel
Der Fuchsbandwurm ist auf der Nordhalbkugel heimisch. Seine Verbreitung hängt von der Population seiner Wirte ab

Wo ist der Fuchsbandwurm verbreitet?

Der Fuchsbandwurm ist ein Phänomen der Nordhalbkugel. Hier ist er in Nordamerika, Mitteleuropa, Russland, Türkei, Iran, China bis Japan am häufigsten anzutreffen. Schwerpunkte in Mitteleuropa sind der Kanton Thurgau und die Schwäbische Alb. Die Verbreitung ist Inselartig und an die Verbreitung der Hauptwirte (z.B. Rotfüchse) und Nebenwirte (z.B. Wühlmäuse und andere kleine Nagetiere) gekoppelt. In Südwestdeutschland sind bis zu 70% aller Füchse befallen, in Norddeutschland um die 5%.

Die Verbreitung des Fuchsbandwurms nahm parallel mit der Verbreitung von Füchsen seit mitte des 20. Jahrunderts zu. Die Erstarkung der Fuchspopulation in Europa liegt an erfolgreichen Impfkampagnen gegen Tollwut bei Füchsen, geringer Bejagung seit den 1980ern und der Verfall des Preises von Fuchsfellen.

Schadet der Fuchsbandwurm seinen Wirten?

Für den Endwirt gilt: Eher nein. Die Parasiten nutzen den Stoffwechsel des Endwirts, setzen sich im Darm fest und sorgen dafür, dass ihre Eier über den Kot, beispielsweise Fuchskot, in die Natur gelangt, um sich dort weiter zu verbreiten.

Bei den den Zwischenwirten ist das anders: Da Immunsystem, Kreislauf und Stoffwechsel bei kleinen Nagern wie Bisamratten oder Wühlmäusen tendenziell schwächer sind, als bei ausgewachsenen Endwirten, kommt es hier zu einer deutlichen körperlichen Beeinträchtigung. Die Wurmlarve dringt durch die Dünndarmwand in lebenswichtige Organe wie Leber oder Lunge und bildet dort ein schwammartiges Gewebe mit Bläschen. Die Schwächung des Zwischenwirts ist ein sinnvoller Mechanismus für Parasiten, da geschwächte Zwischenwirte leichter Beute von Endwirten werden.

 

 

Zwischenwirt Fuchsbandwurm
Endstdium eines Zwischenwirts: Eine Baumwollratte mit Echinococcus multilocularis Infektion

Kann der Mensch von Fuchsbandwürmern befallen werden?

Kind auf Wiese
Auch Menschen können theoretisch Schaden durch Fuchsbandwurmbefall nehmen

Grundsätzlich: Ja. Auch wenn der Mensch als Endwirt aus anatomischen Gründen nicht in Frage kommt, kann er als sogenannter „falscher Zwischenwirt“ befallen werden. Hier kann wieder das von den Larven gebildete Netzwerk aus schwammartigem und blasendurchsetzten Gewebe (Hydatiden) auftreten und Raum im Körper fordern. Betroffen ist beim Menschen meist die Leber, seltener das Gehirn, die Lunge oder das Herz. Da der Mensch zu Beginn viele Gesunde Zellen hat, kann sich das Gewebe oft über Jahre unbemerkt verbreiten. Bis es zu ernsthaften gesundheitlichen Schäden kommt kann es daher zwischen 5-15 Jahre dauern (Inkubationszeit). Man spricht beim Fuchsbandwurm von alveolärer Echinokokkose.

Wie kann eine Infektion mit Fuchsbandwurm beim Menschen erkannt werden?

Mithilfe von serologischen Tests, also dem Nachweis von Antigenen bzw. Antikörpern kann eine Infektion schnell erkannt werden. Sie bilden sich im Blut und bekämpfen Fremdkörper.

Im Fortgeschrittenen Stadium, helfen Ultraschalluntersuchungen oder Röntgenbilder der befallenen Organe weiter. Da die Hydatiten aber oft schwer auf Röntgen und Ultraschallbildern zu erkennen sind, werden auch Kernspin- und Computertomographien werwendet.

Gefährlich ist Echinokokkose im Grunde nur deshalb, weil so gut wie keine Symptome zu erkennen sind, bis es zu spät ist. Sie ist nicht der einzige Grund alle paar Jahre einen ärztlichen General Check-Up zu machen. Vorsorgeuntersuchungen verschiedener Art wie zum Beispiel Darmkrebs sollten sowieso spätestens ab dem 35. Lebensjahr regelmäßig stattfinden.

Krankenschwester
Ein regelmäßiger Gesundheits-Check-Up ist die beste Möglichkeit der Infektionserkennung

Ist alveoläre Echinokkokose heilbar?

Direkt heilbar ist eine Fuchsbandwurminfektion nicht. Rechtzeitig erkannt, kann das Finnengewebe der Larven in den Organen chirurgisch entfernt werden. Mit etwas Glück kann das ausreichend sein. Oft wird jedoch zusätzlich ein Leben lang Medikamente wie Albendazol oder Mebendazol verabreicht, die das Wachstum des Wurms hemmen, ihn aber nicht abtöten.

Großen Erfolg aber auch starke Nebenwirkungen verspricht eine Chemotherapie. Die DNA und Arbeitsweise des Fuchsbandwurms im menschlichen Körper ähnelt der eines Leberkarzinoms, also Leberkrebs. Wenn Operation, medikamentöse Behandlung oder Chemotherapie nicht mehr anschlagen oder nicht Erfolg versprechend sind, kann oft nur noch Palliativmedizin verordnet werden.

Fünf Gerüchte über den Fuchsbandwurm und deren Richtigstellung

Gerücht 1: Fuchsbandwurmeier können durch Fuchsurin übertragen werden

Das ist sachlich falsch. Anders als beispielsweise bei Leptospirose ist der Blasentrakt der Wirte nicht betroffen, da sich die Parasiten im Darm aufhalten. Die Übertragung erfolgt durch Kot, wobei dieser allerdings nicht mehr an der Stelle in der Natur sichtbar sein muss. Denn die Eier des Fuchsbandwurms sind sowohl wasserresistent, extrem kälteressistent (bis zu -70 Grad Celsius) sowie bis zu einem hohen Grad alkoholresistent. Sie sind noch bis zu vier Monate nach ausscheiden infektiös und können selbst bei biologisch bereits abgebautem Fuchskot noch eine Gefahr darstellen.

 

 

 

 

 

Gerücht 1:

Fuchsurin und Wurmeier

Gerücht 2: Es ist eindeutig erwiesen, dass der Verzehr von Wildpflanzen zu Fuchsbandwurmbefall beim Menschen führen kann

Nein, einen eindeutigen wissenschaftlichen Nachweis des Zusammenhangs von Verzehr von Wildkraut und -beeren und dem Befall von Fuchsbandwurm beim Menschen gibt es nicht.

Zwar müssen die Eier verschluckt werden. Laut dem Würzburger Immunologen Klaus Brehm sind die häufigsten Infektionsquellen allerdings der Kontakt mit Haustieren, die sich im Fuchskot gewälzt haben und die Eier im Fell tragen. Oft ist hierbei die Infektion beim Menschen auch ein Mitbringsel aus dem Urlaub in Ländern, in denen viele Straßentiere streunen und mit denen Kontakt aufgebaut wurde. Katzen scheinen im Gegensatz Hunden dabei weniger bis gar nicht betroffen zu sein. Die Aufnahme über Wildpflanzen ist wahrscheinlich, aber umstritten.

 

 

 

Gerücht 2:

Wildpflanzen und Wurmbefall

Gerücht 3: Besonders Pilz- und Wildkrautsammler sind eine Risikogruppe für Fuchsbandwurmbefall

Das kommt darauf an. In verschiedenen Statistiken wurde nachgewiesen, dass kaum Kräuter- und Pilzsammler betroffen waren, sondern Waldarbeiter und Förster, neben der oben erwähnten Gruppe der Haustierbesitzer. Erdnahe Arbeiten und Tier- bzw. Tierkadaverkontakt scheinen hier ausschlaggebend.

Zusätzlich nutzen Füchse zur Nahrungssuche eher Wiesen und anderes Kulturland. Hier koten sie auch. Damit ist das Risiko beim Verzehr von nicht gewaschenem Fallobst, Salat und Früchten aus dem Garten oder von der Plantage erheblich höher als bei dem Pilz oder der Beere aus dem Wald.

 

 

 

Gerücht 3:

Kräutersammler und Risikogruppen

 

Gerücht 4: Wer Fuchsbandwurmeier schluckt, bekommt Echinococcose

Nein. In einer Studie aus 1996 in der Schwäbischen Alb wurden 2500 Menschen untersucht. Viele von ihnen wiesen Antikörper gegen den Fuchsbandwurm auf, es kam jedoch nie zu einem Ausbruch der Krankheit. Es kann davon ausgegangen werden, dass das menschliche Immunsystem in der Lage ist mit dem Parasiten fertig zu werden und sich selbst zu heilen.

Ist das Immunsystem durch Krankheit oder Alter geschwächt, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs wieder, wobei wir hier immernoch von einer enorm geringen Wahrscheinlichkeit die Rede ist: Ein Sechser im Lotto ist wahrscheinlicher, als sich durch den Verzehr von Waldbeeren mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren, so beispielsweise der Würzburger Immunologe Professor Klaus Brehm.

Eine wichtige Rolle spielt hierbei sicherlich die Stabilität und dicke der eigenen Darmwände. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung und Lebensweise und eine Vermeidung von Giftstoffen im Darm und Darmüberlastug sind also ein guter Anfang zur Prävention.

 

 

 

Gerücht 4:

Wahrscheinlichkeit und Krankheitsausbruch

 

 

Gerücht 5: Ein Ausbruch von Echinokokkose verläuft mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich

Nein. In den 70ern noch schien die Krankheit ein Todesurteil, in einem sehr späten Stadium kann auch heute oft nur noch Sterbebegleitung geboten werden. Die Therapiemöglichkeiten sind jedoch gut. Ein Befall mit Echinokokkose verkürzt bei rechtzeitigem Erkennen das Leben der Patienten mittlerweile „nur“ um drei Jahre im Gegensatz zu gesunden Personen.

 

 

 

Gerücht 5:

Morbidität

 

 

 

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